Dauerparker verhindern: Wie Sie Langzeitparker erkennen und Parkraum effizient schützen

Die Verfügbarkeit von Parkplätzen ist für den stationären Einzelhandel, Fitnessstudios, Kliniken und Bürokomplexe eine der wichtigsten Währungen im Wettbewerb um Kunden und Mitarbeiter. Doch genau diese Ressource wird oft zweckentfremdet. Pendler, die ihr Fahrzeug für den gesamten Arbeitstag abstellen, Anwohner ohne eigenen Stellplatz oder Reisende, die teure Flughafengebühren umgehen wollen, blockieren wertvolle Flächen. Für Grundstückseigentümer entsteht dadurch nicht nur ein Ärgernis, sondern ein massiver wirtschaftlicher Schaden.
Die traditionelle Parkraumüberwachung mit Parkscheiben und Kontrollpersonal stößt hierbei schnell an ihre Grenzen – sie ist teuer, fehleranfällig und lückenhaft. Die moderne Lösung liegt in der automatischen Kennzeichenerkennung (ANPR – Automatic Number Plate Recognition). In diesem Artikel erfahren Sie detailliert, wie Sie mithilfe dieser Technologie zuverlässig Dauerparker verhindern, Langzeitparker erkennen und Ihre Parkflächen wieder für die eigentliche Zielgruppe freimachen. Wir beleuchten die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, die technische Funktionsweise und die konkreten wirtschaftlichen Vorteile für Ihr Unternehmen.
Das Dauerparker Problem: Wirtschaftliche Auswirkungen und Typologie
Um zu verstehen, warum Maßnahmen zur Parkraumkontrolle so essenziell sind, muss man zunächst das Ausmaß des Problems quantifizieren. Ein Parkplatz ist weit mehr als eine asphaltierte Fläche; er ist der erste Berührungspunkt (Touchpoint) in der Customer Journey. Findet ein Kunde keinen Parkplatz, fährt er im schlimmsten Fall zum Wettbewerber.
Die Typologie der Falschparker
Nicht jeder, der die Parkzeit überschreitet, tut dies aus demselben Motiv. Um effektiv Dauerparker verhindern zu können, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Gruppen:
- Der klassische Fremd-Dauerparker (Pendler): Diese Gruppe nutzt gut gelegene Kundenparkplätze in der Nähe von Bahnhöfen oder Bürozentren, um das Fahrzeug für acht bis zehn Stunden abzustellen. Sie blockieren den Parkplatz für den gesamten Tag.
- Der Anwohner: In städtischen Gebieten mit hohem Parkdruck weichen Anwohner oft auf private Supermarkt- oder Firmenparkplätze aus, besonders nachts oder am Wochenende.
- Der “Park-and-Ride”-Nutzer: Liegt Ihr Gelände in Flughafennähe oder an einer Autobahnauffahrt, wird es oft als kostenlose Alternative zu offiziellen Langzeitparkplätzen missbraucht.
- Der “Überzieher”: Hierbei handelt es sich oft um tatsächliche Kunden, die jedoch die kulante Höchstparkdauer massiv überschreiten (z.B. drei Stunden Parken für einen 10-Minuten-Einkauf und anschließenden Stadtbummel).
Der wirtschaftliche Schaden in Zahlen
Der Schaden durch blockierte Stellplätze wird oft unterschätzt. Branchenexperten kalkulieren mit folgenden Durchschnittswerten für den deutschen Einzelhandel:
Ein einziger Kundenparkplatz ermöglicht pro Tag bei einer durchschnittlichen Parkdauer von 30 Minuten etwa 15 bis 20 Kundenkontakte. Wenn wir von einem durchschnittlichen Warenkorb von 20 Euro ausgehen, generiert dieser eine Stellplatz theoretisch einen Umsatz von 300 bis 400 Euro täglich. Wird dieser Platz nun von einem Dauerparker für 8 Stunden blockiert, entgehen dem Betreiber potenziell 16 zahlende Kunden.
Auf den Monat hochgerechnet summiert sich der Umsatzverlust durch einen einzigen dauerhaft blockierten Parkplatz auf mehrere tausend Euro. Bei größeren Flächen potenziert sich dieser Betrag. Hinzu kommen die Kosten für manuelle Kontrollen oder die Instandhaltung der Flächen, die von Nicht-Kunden abgenutzt werden. Das Dauerparker Problem ist also keine bloße Unannehmlichkeit, sondern ein direkter Angriff auf die Rentabilität des Standorts.
Langzeitparker erkennen durch ANPR-Technologie
Die effektivste Methode, um die oben genannten Szenarien zu unterbinden, ist der Einsatz von ANPR-Kamerasystemen. Im Gegensatz zu Schrankenanlagen, die wartungsintensiv sind und den Verkehrsfluss bremsen, oder der manuellen Kontrolle mittels Parkscheibe, die leicht manipuliert werden kann, bietet ANPR eine lückenlose und objektive Erfassung.
Funktionsweise der Detektion
Um Langzeitparker erkennen zu können, nutzt das System einen einfachen, aber hochpräzisen Prozess:
- Einfahrt: Sobald ein Fahrzeug auf das Gelände fährt, erfasst eine Kamera das Kennzeichen. Der Zeitpunkt der Einfahrt wird datenschutzkonform protokolliert.
- Verweildauer: Das System gleicht im Hintergrund ab, ob das Fahrzeug noch auf der Fläche ist. Es findet keine dauerhafte Videoüberwachung statt, sondern lediglich eine Erfassung der Events “Einfahrt” und “Ausfahrt”.
- Ausfahrt: Bei der Ausfahrt wird das Kennzeichen erneut gescannt. Das System berechnet die Differenz zwischen Ein- und Ausfahrtszeit.
- Abgleich: Liegt die Parkdauer innerhalb der erlaubten Höchstparkdauer (z.B. 90 Minuten für Supermarktkunden), werden die Daten sofort und unwiderruflich gelöscht.
- Verstoß: Liegt eine Parkzeitüberschreitung vor, wird der Datensatz für die Nachverfolgung gespeichert.
Vorteile gegenüber analogen Systemen
Die digitale Erfassung eliminiert die klassischen Schwachstellen der Parkraumbewirtschaftung:
- Keine “vergessene” Parkscheibe: Kunden müssen nicht mehr daran denken, eine Scheibe auszulegen. Das System arbeitet im Hintergrund.
- Objektivität: Diskussionen mit Parkwächtern darüber, ob die Parkscheibe nun auf 10:00 Uhr oder 10:30 Uhr stand, entfallen. Die Zeitstempel der Kameras sind millisekundengenau.
- 24/7-Überwachung: Manuelle Kontrollen finden meist nur sporadisch statt. ANPR-Systeme erfassen auch den Anwohner, der sein Auto nachts oder sonntags abstellt.
- Barrierefreiheit: Der Verzicht auf Schranken sorgt für einen flüssigen Verkehr und ein angenehmeres Einkaufserlebnis (Convenience).
Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland (Stand 2026)
Ein entscheidender Aspekt beim Einsatz von Kamerasystemen ist die Rechtslage. In Deutschland gelten strenge Datenschutzbestimmungen (DSGVO), die jedoch den Einsatz von ANPR zur Wahrung berechtigter Interessen erlauben. Um Dauerparker verhindern zu können, ohne rechtliche Risiken einzugehen, müssen Betreiber spezifische Vorgaben beachten.
Das berechtigte Interesse (Art. 6 DSGVO)
Rechtsgrundlage für die Erfassung der Kennzeichen ist in der Regel das “berechtigte Interesse” des Grundstückseigentümers. Dieses besteht darin, sein Eigentum vor unbefugter Nutzung zu schützen und die Verfügbarkeit von Parkplätzen für seine Kunden sicherzustellen. Die deutsche Rechtsprechung hat in den letzten Jahren mehrfach bestätigt, dass dieses wirtschaftliche Interesse den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Autofahrer rechtfertigt, sofern bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden.
Transparenzgebot und Beschilderung
Eine verdeckte Überwachung ist unzulässig. Um Langzeitparker erkennen und sanktionieren zu dürfen, muss der Parkplatzbetreiber deutlich auf die Regeln hinweisen. Dies geschieht durch:
- Großformatige Hinweisschilder: Bereits an der Einfahrt muss klar erkennbar sein, dass eine elektronische Parkraumüberwachung stattfindet.
- Piktogramme: Ein Kamerasymbol muss auf die Erfassung hinweisen.
- Vertragsbedingungen: Auf den Schildern müssen die “Allgemeinen Geschäftsbedingungen” (AGB) für die Nutzung des Parkplatzes lesbar sein. Durch das Einfahren auf den Parkplatz geht der Fahrer einen Vertrag mit dem Betreiber ein. Die Vertragsstrafe bei Verstoß muss klar beziffert sein.
Datensparsamkeit und Löschfristen
Ein Kernprinzip der DSGVO ist die Datensparsamkeit. Das bedeutet für ANPR-Systeme:
- Daten von “Gutparkern” (die sich an die Regeln halten) müssen sofort nach der Ausfahrt gelöscht werden. Es darf keine Vorratsdatenspeicherung von Bewegungsprofilen unbescholtener Kunden geben.
- Nur bei einem Verstoß (Parkzeitüberschreitung) dürfen die Daten (Kennzeichen, Zeitstempel, Beweisfoto) solange gespeichert werden, wie es für die Durchsetzung der Forderung (Vertragsstrafe) notwendig ist.
Hinweis: Dies stellt keine Rechtsberatung dar. Wir empfehlen stets die Rücksprache mit einem spezialisierten Anwalt für Datenschutzrecht bei der Einrichtung neuer Systeme.
Praktische Umsetzung: Whitelisting und Sonderregelungen
Nicht jedes Fahrzeug, das lange parkt, ist ein unerwünschter Dauerparker. Mitarbeiter, Lieferanten oder Dienstleister müssen oft länger auf der Fläche verbleiben als der durchschnittliche Kunde. Ein modernes ANPR-System bietet hierfür flexible Lösungen, um Fehlalarme zu vermeiden.
Das Whitelist-Verfahren
Um Dauerparker verhindern zu können, aber gleichzeitig den Betrieb nicht zu stören, arbeiten Systeme mit sogenannten “Whitelists” (Freigabelisten).
- Mitarbeiter-Kennzeichen: Kennzeichen von Angestellten werden dauerhaft im System hinterlegt. Sie werden bei der Einfahrt erkannt und vom System ignoriert, egal wie lange sie parken.
- Temporäre Freigaben: Über Tablets im Geschäft oder Web-Portale können Kennzeichen von Handwerkern oder Lieferanten temporär für einen Tag oder wenige Stunden freigeschaltet werden.
- Kunden-Verlängerung: In Fitnessstudios oder bei Ärzten kann es vorkommen, dass ein Termin länger dauert. Hier können Kunden ihr Kennzeichen an einem Terminal (Kiosk-System) eingeben, um die Parkzeit einmalig zu verlängern oder sich vollständig zu registrieren.
Karenzzeiten definieren
Ein wichtiger Faktor für die Kundenakzeptanz ist die Einstellung von Karenzzeiten. Wenn die Höchstparkdauer 90 Minuten beträgt, sollte das System nicht exakt bei 90 Minuten und einer Sekunde einen Verstoß melden.
Es empfiehlt sich eine technische Toleranz (z.B. 5 bis 10 Minuten) einzurichten. Dies deckt Situationen ab, in denen Kunden noch Waren einladen, Kinder anschnallen oder schlichtweg langsam ausparken. Auch für “Drop-off”-Szenarien (jemanden kurz absetzen) ist eine Karenzzeit wichtig. Wer nur 3 Minuten auf den Platz fährt und wieder wendet, darf nicht als Falschparker erfasst werden, selbst wenn er nicht eingekauft hat (je nach AGB). Diese Feinjustierung hilft, unnötige Beschwerden zu vermeiden und den Fokus auf die echten Langzeitparker zu legen.
Prozessablauf bei Verstößen: Von der Kamera zum Bescheid
Wie genau wird aus dem Kamerabild eine Zahlungsaufforderung? Der Prozess ist heute hochgradig automatisiert, was den Verwaltungsaufwand für den Flächeninhaber auf ein Minimum reduziert.
- Identifikation des Verstoßes: Das System stellt fest, dass Fahrzeug X die Höchstparkdauer um Y Minuten überschritten hat und nicht auf der Whitelist steht.
- Halterermittlung: Da es sich um privates Gelände handelt, wird eine Halteranfrage beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gestellt. Dies ist legitim, da ein berechtigtes Interesse an der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche besteht.
- Erstellung der Zahlungsaufforderung: Ein spezialisierter Dienstleister generiert ein Schreiben, das den Tatbestand, Ort, Zeit (mit Beweisfotos von Ein- und Ausfahrt) und die Höhe der Vertragsstrafe enthält.
- Versand: Der Brief wird postalisch an den Fahrzeughalter zugestellt.
- Inkasso-Management: Zahlt der Halter nicht fristgerecht, übernimmt das System automatisch das Mahnwesen.
Für den Parkplatzbetreiber bedeutet dies: Er muss sich nicht mit wütenden Falschparkern auseinandersetzen oder Überweisungen prüfen. Er erhält lediglich regelmäßige Reports und – je nach Vertragsmodell – eine Beteiligung an den Einnahmen oder eine Reduktion der Systemkosten.
Hybride Modelle: Parken gegen Gebühr nach der Freiparkzeit
Eine zunehmend beliebte Strategie, um das Dauerparker Problem nicht nur zu lösen, sondern in eine Einnahmequelle zu verwandeln, sind hybride Modelle.
Anstatt nach Ablauf der 90 Minuten sofort eine hohe Vertragsstrafe (z.B. 30 oder 40 Euro) zu verhängen, bieten manche Systeme die Möglichkeit, die Parkzeit kostenpflichtig zu verlängern.
Wie das funktioniert:
- Der Kunde parkt 90 Minuten kostenlos.
- Möchte er länger bleiben (z.B. für einen anschließenden Stadtbummel), kann er per App oder an einem Kassenautomaten für die zusätzliche Zeit bezahlen.
- Das ANPR-System erkennt die Zahlung und passt die erlaubte Parkzeit für dieses spezifische Kennzeichen dynamisch an.
- Erst wenn auch die bezahlte Zeit überschritten wird oder gar keine Zahlung erfolgt, wird der Vorgang als Verstoß gewertet.
Dieses Modell ist besonders attraktiv für Standorte in Innenstädten. Es wandelt den “Fremdparker” von einem Schädling in einen zahlenden Kunden um. Es erfordert jedoch eine Anbindung an gängige Payment-Provider und Parking-Apps.
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Kosten und Wirtschaftlichkeit der ANPR-Lösung
Die Investition in eine digitale Parkraumüberwachung wirft oft Fragen nach der Amortisation auf. Vergleicht man jedoch die Kosten mit den Verlusten durch Parkzeitüberschreitung und den Ausgaben für manuelles Personal, rechnet sich die Technologie meist innerhalb weniger Monate.
Kostenfaktoren
- Hardware: Kameras, Masten, Verkabelung und Gateways. Die Preise sind in den letzten Jahren durch technologischen Fortschritt deutlich gesunken.
- Installation: Einmalige Einrichtung und Kalibrierung.
- Software/Service: Monatliche Lizenzgebühren für die Cloud-Plattform, Updates und die Halterabfragen.
Einsparpotenziale und Einnahmen
- Umsatzsteigerung: Durch die höhere Rotation auf den Stellplätzen (Turnover) finden mehr echte Kunden einen Parkplatz.
- Wegfall von Personalkosten: Es sind keine Mitarbeiter mehr nötig, die Parkscheiben kontrollieren.
- Einnahmen aus Vertragsstrafen: Viele Systemanbieter arbeiten mit Modellen, bei denen die Installation für den Flächeninhaber sehr günstig oder sogar kostenlos ist, da sich der Anbieter über die Einnahmen aus den Vertragsstrafen finanziert.
In der Praxis zeigt sich oft, dass allein der “Abschreckungseffekt” neuer Kameras und Schilder dazu führt, dass die Anzahl der Dauerparker innerhalb von 4-6 Wochen um bis zu 80% zurückgeht. Die Flächen stehen dann wieder fast ausschließlich der legitimen Kundschaft zur Verfügung.
Anwendungsbeispiele aus der Praxis
Um die Vielseitigkeit der ANPR-Technologie zu verdeutlichen, betrachten wir drei typische Szenarien, in denen das Langzeitparker erkennen entscheidend ist.
Szenario 1: Der Discounter in Bahnhofsnähe
- Problem: Pendler nutzen den Parkplatz ab 07:00 Uhr morgens. Wenn der Laden um 08:00 Uhr öffnet, sind bereits 30% der Plätze belegt. Echte Kunden finden am späten Nachmittag keinen Parkplatz.
- Lösung: Installation von ANPR an Ein- und Ausfahrt. Höchstparkdauer 90 Minuten.
- Ergebnis: Die Pendler erhalten nach den ersten Tagen Zahlungsaufforderungen. Die Mundpropaganda sorgt dafür, dass der Parkplatz innerhalb eines Monats “pendlerfrei” ist. Der Umsatz des Marktes steigt spürbar an.
Szenario 2: Das Fitnessstudio im Mischgebiet
- Problem: Das Studio teilt sich den Parkplatz mit anderen Geschäften und Anwohnern. Mitglieder beschweren sich über fehlende Parkplätze zu Stoßzeiten (17:00 – 19:00 Uhr).
- Lösung: Einführung eines Tablets am Check-In-Tresen. Mitglieder geben ihr Kennzeichen ein und erhalten 3 Stunden freies Parken. Nicht-Mitglieder werden nach 30 Minuten (Karenzzeit für Abholer) zur Kasse gebeten.
- Ergebnis: Exklusivität für Mitglieder wird gewahrt, die Kundenzufriedenheit steigt, Kündigungen wegen Parkstress gehen zurück.
Szenario 3: Die Klinik-Notaufnahme
- Problem: Die Kurzzeitparkplätze vor der Notaufnahme werden von Besuchern blockiert, die eigentlich ins Parkhaus fahren sollten, um Gebühren zu sparen.
- Lösung: Rigorose Überwachung mit kurzer Höchstparkdauer (z.B. 20 Minuten) für Drop-off.
- Ergebnis: Die Zufahrt für echte Notfälle bleibt frei. Rettungswege werden nicht mehr zugeparkt.
Psychologie der Parkraumüberwachung: Akzeptanz schaffen
Ein technisches System ist nur so gut wie seine Akzeptanz bei den echten Kunden. Wer Dauerparker verhindern will, darf seine Stammkunden nicht verprellen. Kommunikation ist hier der Schlüssel.
Kommunikation vor Einführung
Kündigen Sie die Umstellung rechtzeitig an. “Wir machen Platz für Sie!” ist eine positive Botschaft. Erklären Sie, dass die Maßnahmen ergriffen werden, damit Kunden wieder stressfrei parken können.
Kulanzmanagement
Es wird passieren, dass ein treuer Stammkunde die Zeit vergisst und einen Strafzettel erhält. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Systemanbietern. Ein gutes Management-System erlaubt dem Filialleiter vor Ort, eine “Stornierung” (Cancellation) aus Kulanzgründen vorzunehmen. Wenn der Kunde seinen Kassenbon vorzeigt, kann die Vertragsstrafe mit wenigen Klicks im System annulliert werden. Dies stärkt die Kundenbindung enorm (“Wir haben das für Sie geregelt”).
Faire Beschilderung
Versteckte Kameras führen zu Shitstorms in sozialen Medien. Offene, gut sichtbare und verständliche Schilder signalisieren Fairness. Der Kunde soll nicht in eine Falle tappen, sondern sich an klare Regeln halten.
Zukunftsausblick: KI und Smart Parking
Die Technologie entwickelt sich rasant weiter. Während wir heute primär über einfache Nummernschilderkennung sprechen, werden zukünftige Systeme noch intelligenter agieren, um Langzeitparker zu erkennen und das Parkraummanagement zu optimieren.
- Fahrzeugklassifizierung: KI kann erkennen, ob es sich um einen PKW, einen Lieferwagen oder ein Motorrad handelt, und unterschiedliche Tarife oder Regeln anwenden.
- Predictive Analytics: Systeme werden vorhersagen können, wann der Parkplatz voll sein wird, und könnten dynamische Preise (Yield Management) oder proaktive Warnungen steuern.
- Integration ins Fahrzeug: In Zukunft könnten Fahrzeuge direkt mit der Infrastruktur kommunizieren (V2I), sodass die Parkberechtigung digital im Auto hinterlegt ist und gar keine Kameraerfassung mehr nötig wäre – bis dahin bleibt ANPR jedoch der Goldstandard.
Fazit: Konsequentes Handeln schützt Ihren Umsatz
Das Dauerparker Problem löst sich nicht von allein. Im Gegenteil: In Zeiten steigender Mobilität und verdichteter Innenstädte wird der Druck auf private Parkflächen weiter zunehmen. Wer jetzt nicht handelt, akzeptiert schleichende Umsatzverluste und frustrierte Kunden.
Die Identifizierung von Langzeitparkern mittels ANPR ist heute keine “Science-Fiction” mehr, sondern eine etablierte, rechtssichere und kosteneffiziente Standardlösung in Deutschland. Sie bietet den notwendigen Schutz vor Missbrauch, ohne das Einkaufserlebnis der echten Kunden durch Schranken oder Tickets zu beeinträchtigen.
Für Grundstückseigentümer und Gewerbetreibende ist die Botschaft klar: Die Hoheit über den eigenen Parkraum zurückzugewinnen, ist eine Investition, die sich direkt in der Bilanz niederschlägt. Durch intelligente Technologie, klare Regeln und ein faires Kulanzmanagement schaffen Sie eine Win-Win-Situation – freie Plätze für Ihre Kunden und Schutz vor unberechtigter Nutzung für Ihr Unternehmen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Kennzeichenerkennung (ANPR) in Deutschland überhaupt erlaubt?
Ja, unter Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist der Einsatz auf privaten Parkplätzen zulässig. Voraussetzung ist das berechtigte Interesse des Betreibers (Schutz des Eigentums, Sicherstellung der Parkplatzverfügbarkeit) sowie eine transparente Beschilderung, die auf die Überwachung und die AGB hinweist. Daten von Fahrzeugen ohne Verstoß müssen unverzüglich gelöscht werden.
Was passiert, wenn die Kamera das Kennzeichen falsch liest?
Moderne ANPR-Kameras haben Erkennungsraten von über 99% bei verschiedensten Licht- und Wetterverhältnissen. Sollte es dennoch zu einem Lesefehler kommen, findet in der Regel eine manuelle Nachprüfung durch geschultes Personal beim Dienstleister statt, bevor ein Bescheid verschickt wird. Zudem können Betroffene Einspruch einlegen, falls ein offensichtlicher Fehler vorliegt.
Können auch Motorräder erfasst werden?
Standardmäßig erfassen die meisten Systeme nur das vordere Kennzeichen bei der Einfahrt und Ausfahrt. Da Motorräder in Deutschland nur hinten ein Kennzeichen haben, ist eine Erfassung mit Standard-Aufbauten oft schwierig. Es gibt jedoch spezielle Konfigurationen mit Rückfahrkameras, die auch Zweiräder zuverlässig erkennen können, um Langzeitparker auch in dieser Fahrzeugklasse zu identifizieren.
Wie gehe ich mit Kunden um, die unabsichtlich die Zeit überschritten haben?
Ein professionelles Parkraummanagement-System sollte immer eine Kulanz-Option bieten. Als Betreiber können Sie über ein Web-Portal oder eine Hotline bestimmte Strafzettel stornieren, wenn der Kunde nachweisen kann (z.B. durch Kassenbon), dass er tatsächlich eingekauft hat. Dies ist ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung.
Wer trägt die Kosten für die Installation der Technik?
Das kommt auf das Geschäftsmodell an. Es gibt Kauf-Modelle, bei denen Sie die Hardware bezahlen und die Einnahmen aus Strafzetteln behalten. Häufiger sind jedoch Betreibermodelle: Hier installiert ein Dienstleister die Technik oft kostenlos oder sehr günstig und finanziert sich über die Einnahmen aus den Vertragsstrafen der Falschparker.
Gilt die Parkzeitüberwachung auch nachts und am Wochenende?
Das können Sie als Betreiber individuell festlegen. Da das Dauerparker Problem oft gerade nachts durch Anwohner entsteht, ist eine 24/7-Überwachung meist sinnvoll. Sie können aber auch Regeln definieren, die das Parken außerhalb der Geschäftszeiten erlauben oder zu diesen Zeiten andere Tarife anwenden.